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Rede zum feierlichen Gelöbnis

19.05.2015

Feierliches Gelöbnis: Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr am 13.05.2015

Rede

Feierliches Gelöbnis
Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr
13. Mai 2015, 11.00 Uhr
Emmich-Cambrai-Kaserne
Kugelfangtrift 1, 30179 Hannover

Herr Bürgermeister Scholz, Herr General Schnittker, Herr Oberst Keller, verehrte Gäste, Soldatinnen und Soldaten,
"Diplomatie ohne Armee ist wie ein Orchester ohne Musiker." Diese Feststellung Friedrichs des Großen hat auch heute wieder ihre Bedeutung.
Allerdings bezogen auf unsere heutige Zeit in einer anderen Gesellschaft und in einem völlig anderen sicherheitspolitischen Rahmen. Für die Bundesrepublik Deutschland stehen zur Beilegung von Konflikten stets Gespräche und Verhandlungen an erster Stelle. Denn Basis unseres Handelns ist das Konzept vernetzter Sicherheitspolitik, wonach außen-, entwicklungs- und verteidigungspolitische Instrumente einander greifen.

Indem wir die Ursachen von Krisen zuerst durch vorausschauende Außen- und Entwicklungspolitik zu beseitigen suchen, vermeiden wir oft schon die Notwendigkeit, militärische Mittel einsetzen zu müssen. Gleichzeitig ist gerade Entwicklungspolitik nach kriegerischen Auseinandersetzungen in der Regel nicht ohne Schutz und Unterstützung durch Soldatinnen und Soldaten möglich.
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Feierliches Gelöbnis: Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr
Und in Krisenzeiten besteht die Aufgabe darin, zu stabilisieren sowie Kriege zu verhindern oder zu beenden. Das wissen Sie alle aus dem Weißbuch der Bundesregierung aus dem Jahre 2006.
Diese Vorgehensweise im Ausland hat sich in den zurückliegenden Jahren bewährt.
Angesichts der geänderten strategischen Lage müssen wir jedoch auch wieder über Landes- und Bündnisverteidigung nachdenken.
Bedrohungen von Frieden, Freiheit und Menschenrechten weltweit sind auch wieder eine Gefahr für ein freies Europa, für unsere Bündnispartner in der NATO und damit auch für unser Land. Denn die Gefährder sind nicht zuletzt in nächster Nähe zu finden: Im Osten Europas. Wo wir Bedrohungen längst überwunden wähnten. Dort schwelt die Ukraine-Krise. Von dort kommen die Panzer, Flugzeuge, U-Boote, die als show of force vor allem unsere mittel- und osteuropäischen Nachbarn einschüchtern sollen.
Hinzugekommen ist zudem eine neue Bedrohung: Mit unvorstellbarer Grausamkeit versucht die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ganze Regionen zu destabilisieren, zu erobern und zu islamisieren. Das gemeinsame Vorgehen der internationalen Staatengemeinschaft hat erste Erfolge in der Anstrengung gezeitigt, die Terrororganisation zurückzudrängen.
Wir haben wir es mit einem global verzweigten 'Subunternehmernetz' von Terrororganisationen zu tun. Diese agieren auf der Grundlage einer - inhaltlich wie zeitlich - geplanten, mehrphasigen und langfristig angelegten Al Qaida-Strategie. Angriffe auf kritische Verkehrsinfrastrukturen genügen ihnen nicht mehr. Nun sind auch Zeitungsredaktionen sowie Radio- und Fernsehstationen und damit die Freiheit der Meinungsäußerung insgesamt im Visier. Sie alle verstehen, was ich meine, wenn ich sage: Cyberwar beginnt!
Alle diese Faktoren steigern die Bedrohlichkeit der Lage.
Die dritte Geißel sind Seuchen wie Ebola, die der UN-Sicherheitsrat als weltweite Bedrohung eingestuft hat.
Soldatinnen und Soldaten,
Krieg, Terror und Seuchen.
Dies ist der Dreiklang von Aufgaben, denen sich die Bundeswehr gegenüber sieht.
Heute geloben und schwören Sie,
"der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." Sie, das sind
1. die Rekrutinnen und Rekruten der Grundausbildung für die Streitkräftebasis,
2. die Rekrutinnen und Rekruten der Grundausbildung für Spitzensportler in der Bundeswehr und
3. die Feldwebel- und Unteroffizieranwärter im ersten Ausbildungsmodul.

Begriffe wie 'Tapferkeit', 'Gelöbnis' und 'Eid' sind aus dem öffentlichen Bewusstsein nahezu verschwunden.
Wer kennt schon noch den Unterschied zwischen 'Gelöbnis' und 'Eid'?
Viele kennen bestenfalls noch den Eid als besondere Form der Verpflichtung. Aus dem Fernsehen, bei der Vereidigung des Bundeskanzlers oder der Bundesminister. Indem Sie heute die Gelöbnisformel und die Eidesformel sprechen, verpflichten Sie sich, unserem Lande und damit unseren Bürgerinnen und Bürgern treu zu dienen und Recht und Freiheit tapfer zu verteidigen. Es ist dies eine ganz besondere ethisch-moralische Verpflichtung, die Sie damit eingehen.
Dafür danke ich Ihnen!
Ich danke Ihnen auch im Namen derer, die sich dieser Tatsache gar nicht bewusst sind. Derer, die Frieden und Freiheit als Selbstverständlichkeit ansehen. Ja sogar derer, die Gelöbnisse der Bundeswehr zu stören versuchen. Denn Sie sind Teil und Ausdruck unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die Sie als Soldatinnen und Soldaten schützen und verteidigen.
Jede Meinung darf geäußert werden, auch wenn wir sie nicht teilen. Eingreifen müssen wir erst, wenn grundlegende Rechte anderer verletzt werden.
So auch in den internationalen Einsätzen der Bundeswehr. Zu Ihrem Dienst gehören, um es so auszudrücken, damit es ein jeder versteht, Mut, Stärke, Durchhaltevermögen, Pflichterfüllung und Entschlossenheit. Und wer kann schon von sich sagen, dass er diese Tugenden an seinem Arbeitsplatz täglich erfolgreich unter Beweis stellt?
(1) Diejenigen von Ihnen, die für die Streitkräftebasis ausgebildet wurden - Freiwillig Wehrdienst Leistende wie Zeitsoldaten - werden bundesweit im gesamten Aufgabenbereich der SKB eingesetzt werden. Vor Ihnen liegt mithin ein breites Spektrum beruflicher Möglichkeiten. Ihre künftigen Aufgaben in der Streitkräftebasis sind das Rückgrat aller Auslandseinsätze und des Grundbetriebs der Bundeswehr!
(2) Erste militärische Grundkenntnisse erhielten hier auch diejenigen, die die Basisgrundausbildung für Spitzensportler absolviert haben. Sie waren sechs Wochen hier. Sechs Wochen, die es jedoch in sich hatten (Spitzensport eben!) und die in diesem Fall Angehörige unterschiedlicher Sportarten zusammenbrachten. Ihre Zukunft liegt in den 15 Sportfördergruppen der Bundeswehr. Sie werden sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die Bundeswehr in internationalen Wettkämpfen repräsentieren. Als Mitglieder in den Spitzenkadern ihrer Sportverbände. Und wer weiß - wir hoffen es alle - so mancher von Ihnen wird vielleicht Europameister, Weltmeister oder Olympiasieger werden, wie schon einige Kameradinnen und Kameraden in Ihren Reihen!
(3) Acht Wochen dauerte die Grundausbildung für ungediente Feldwebel- und Unteroffizieranwärter der ABC-Abwehr- und Feldjägertruppe. Auf die Beendigung dieses ersten Ausbildungsabschnittes werden an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr zwei weitere Module folgen. Gefolgt von weiteren an der Unteroffizierschule des Heeres (USH).
Mit Blick auf die ABC-Abwehrtruppe Bedenken Sie, wie wichtig Ihre Aufgaben für unser Land sind. Ganz öffentlich wird mittlerweile auch wieder über die nukleare Komponente der derzeitigen Krisen diskutiert.

Und welche Kampfmittel etwa internationale Terroristen künftig einsetzen wollen, kann niemand mit Gewissheit sagen. Wir müssen in jedem Falle im Rahmen der NATO und der EU vorbereitet sein.

Ich sage Ihnen nichts Neues, wenn ich darauf hinweise, wie breit aufgestellt und spezialisiert die Feldjägertruppe mittlerweile ist. Als ehemaliger Feldjäger kann ich das gut bewerten.
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Feierliches Gelöbnis: Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr
Vorbei die Zeiten, wo es vor allem um Ordnungs- und Verkehrsdienst und um Personenschutz im Inland ging. Feldjäger sind jetzt weltweit im Einsatz. Davon konnte ich mich in Mazar-E Sharif auch außerhalb des Feldlagers persönlich überzeugen. Beim Personenschutzteam aus Hannover war ich sicher.

Soldatinnen und Soldaten,
Soldat sein heißt auch tapfer zu kämpfen.
Kämpfen heißt für den Soldaten, sich auch aktiv in Gefahr zu begeben, um seinen Auftrag zu erfüllen oder seinen Kameraden zu helfen. Soldat sein heißt daher auch Kameradschaft. Wieder (so) ein Begriff, mit dem mancher nichts anfangen kann. Kameradschaft heißt nicht zuletzt, dem anderen sein Leben anvertrauen zu können. Der wohl grundlegendste Unterschied zu 'Freundschaft'.
Ethische Normen und Werte, die Ihnen in der Ausbildung vermittelt worden sind, lebten die meisten von Ihnen jedoch bereits, bevor Sie sich für den Dienst in den Streitkräften entschieden haben. Denn diese Werte und das Verständnis dafür sind Grundlagen für Ihren Dienst.
Vielleicht viel wertvoller als der Kompass, den Sie bei Übungen und Gefechten nutzen, ist dieser moralische Kompass, der Sie nicht nur im Dienst als Soldaten, sondern auch als Persönlichkeiten festigen und weiterbringen wird.
Soldatinnen und Soldaten,
Soldat sein heißt auch Zeiten langer Abwesenheit von den Lieben daheim und die Betreuung kleiner Kinder mit dem Auslandseinsatz in Einklang bringen zu müssen.
Ich hoffe, dass in den zurückliegenden Monaten deutlich geworden ist, dass die Mitglieder des Deutschen Bundestages alle Gesetzesvorhaben vordringlich nachgebessert und verabschiedet haben, die Ihnen den Dienst in den Streitkräften erleichtern.
Wir machen es uns als Abgeordnete nicht leicht, Sie in Einsätze auch an die entlegensten Orte der Welt zu schicken.
Aber wir können das als Parlament nur verantwortungsvoll tun, wenn wir unseren Soldatinnen und Soldaten die beste Ausbildung und die beste Ausrüstung zu ihrem Schutz zur Verfügung stellen.
Und auch bei Personalfragen, bei Beschaffung, bei der Priorisierung und Vergabe finanzieller Mittel müssen wir in Zukunft die richtigen Schwerpunkte für die Bundeswehr setzen.
Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Weg in der Bundeswehr, den Sie gemeinsam mit Ihren Kameradinnen und Kameraden sicher gehen mögen, alles nur erdenklich Gute!
Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz für unser Land.
Gott schütze Sie und Ihre Angehörigen. - Hier geht es zurück

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