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Eröffnung

07.03.2016

Fachstelle für Medienkompetenz-im Haus der Hoffnung am 29.02.16

Heute ist ein guter Tag für Hannover. Ich bin sehr glücklich über die Einweihung dieser Fachstelle für Medienkompetenz und ich weiß, dass viele Hannoveraner Bürger ebenso empfinden. Aus meiner langen Zeit im Rat der Stadt Hannover und aus meiner Arbeit im Deutschen Bundestag weiß ich, wie wichtig es ist, Menschen für die neuen Medien zu gewinnen.
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Eröffnung - Fachstelle für Medienkompetenz-im Haus der Hoffnung am 29.02.16
Unser Alltag ist durchdrungen von Medien und im Gegensatz zu vielen Kindern, die in die Handhabung dieser Medien praktisch "hineinwachsen", ist es für ältere Semester manchmal gar nicht so leicht den richtigen Umgang damit zu finden.
Aber in diesem Haus geht es um viel mehr als nur darum, ein Smartphone bedienen zu können. Hier geht man über die bloße Kompetenzschulung hinaus. Es geht hier um das, was man in der politischen Bildung ebenfalls zu erreichen sucht: Mündigkeit, den mündigen Bürger.
In einer zunehmend technisierten Welt hat der Terminus Mündigkeit keineswegs an Bedeutung verloren. Ich habe etwas recherchiert und stieß dabei auf den Ursprung des Begriffes: die Wurzel des Wortes Mündigkeit entstammt dem althochdeutschen Munt. In mittelalterlichen Quellen beschrieb dieses Wort die Stellung des germanischen Hausherrn gegenüber Frauen und Kindern. Die Munt war also ein Sammelbegriff für nach innen gerichtete Herrschaft und Fürsorge und nach außen gerichtete Haftung und Schutz. "Mündel" und "Vormundschaft" entsprangen ebenfalls der Munt. Aus juristischer Perspektive bezeichnet die Mündigkeit Handlungsfähigkeit, Volljährigkeit, Geschäftsfähigkeit und Deliktfähigkeit.
Was hat das nun mit dem Umgang mit Medien zu tun? Medienmündig ist der, der einen verantwortungsvollen und selbstbestimmenden Umgang mit Medien pflegt. Da der Einfluss klassischer Massenmedien sukzessive abnimmt, richtet man sich innerhalb der Medienmündigkeit insbesondere auf die neuen Massenmedien. Das Smartphone anstelle einer Tageszeitung zwischen Frühstücksei und Kaffee wirkt nur noch auf wenige irritierend. Und die Kommunikation via Telefon und Brief, die vor 30 Jahren noch die Norm war, wurde größtenteils durch Emails und SMS ersetzt. Günstige Flatrate-Angebote sorgen dafür, dass annähernd jeder fast überall online sein kein.
Und eben genau hier versteckt sich die Crux: es gibt nicht mehr den "Sender" und den "Adressaten", denn der Anwender bestimmt was er wann wie und wo empfängt und gleichermaßen wie man selbst interagiert. Der Nutzer neuer Medien ist nicht mehr nur passiv, sondern ein aktiver Gestalter. Diese Freiheit des eigenen Wirkens stimuliert Menschen aller Nationen und Altersklassen. Ich möchte sogar noch ein großes Beispiel für Medienmündigkeit bemühen, was immense geopolitische Auswirkungen hatte. Denn durch die Fähigkeit zu interagieren ist die klassische Meinungsbildung rückläufig geworden. Das kann zur Vitalität demokratischer Prozesse führen. Während des Arabischen Frühlings nutzen tausende Bürger arabischer Staaten die neue Autonomie um Diktaturen zum Umsturz zu bringen. Die Medienmündigkeit befähigt nicht nur sich mit seinen Freunden und Bekannten auszutauschen, sondern ermutigt ebenfalls zur Teilhabe am demokratischen Prozess.
Es gibt allerdings auch die Schattenseiten, die ebenfalls erkannt werden müssen. Die kommen insbesondere bei ungesundem, problematischem, exzessivem und süchtigem Medienkonsum zum Vorschein. Die "Computence - Fachstelle für Medienkompetenz" hilft nimmt Menschen dabei an die Hand, wenn sie diese Freiheit erleben. Wer den neuen Massenmedien einen Sinn im eigenen Leben geben will, hat hier einen verlässlichen Partner.
Die Vielfalt der Hilfsangebote ist unschlagbar: von der Beratung über ungesundes Verhalten hinsichtlich Computerspielen, sozialen Netzwerken und Internetpornografie, über Elternabende und Weiterbildungen bis zu zielgruppenspezifischen EDV-Schulungen hat "Computence" alles im Angebot um Menschen ihre Stimme zurückzugeben.
Und welcher Ort könnte dazu besser geeignet sein, als das "Haus der Hoffnung"? Ein Ort, der tief verwurzelt ist in der Geschichte Hannovers. Die Geschichte dieses Gebäudes hatte eigentlich an einem anderen Ort, an der heutigen Heisterbergallee, begonnen. Dort errichtete der Hannoveraner Jude Alexander Moritz Simon 1893 die Israelitische Erziehungsanstalt. Später erhielten diese Gebäude den Namen unter dem sie heute noch bekannt sind: Israelitische Gartenbauschule Ahlem.
1903 errichtete er dann das Gebäude, was einst als "Zierde der ganzen Gegend" beschrieben wurde. Im Anschluss an seine Errichtung diente das Haus als Ausbildungs- und Erziehungsstätte für jüdische Mädchen, um davor zu schützen, sich in "mancher Beziehung moralisch gefährdeten Berufsarten hinzugeben". Nach dem ersten Weltkrieg bildete die Israelitische Gartenbauschule Jungen und Mädchen in Landwirtschaft und Gartenbau aus, wobei ihr Ruf weit über die Grenzen Deutschlands reichte. Nach der Schließung für jüdische Nutzung im Jahr 1939 wurde dieses Gebäude als Ausweichkrankenhaus für das beschädigte Nordstand-Krankenhaus genutzt.
Andere Gebäude auf diesem Gelände wurden unter anderem als sog. "Judenhaus" genutzt, wo Juden für die Deportation aus Hannover gesammelt wurden. Nach dem Krieg war die Conti Hannover Eigentümer dieses Gebäudes, ehe zwischen 1990 und 1998 ein Wohnheim für Asylanten eingerichtet wurde. Nachdem das Haus seit 1998 leer stand und den Gezeiten verfiel, bekam es im Jahr 2003 neue Eigentümer und einen neuen Sinn. Die große, zum Teil ehrenvolle und zum Teil dramatische Geschichte, sollte einen neuen Abschnitt erhalten und so entstand das Haus der Hoffnung. Im ersten Stock befindet sich heute ebenfalls das Café Jerusalem, dass der Historie des Ortes Ehre erweist.
Bevor ich zum Ende meiner Rede komme, möchte ich noch etwas zum Ehrenamt sagen: Dieser wundervolle Ort lebt davon, dass Menschen ihre wohlverdiente Freizeit nutzen, um anderen Hoffnung zu geben, um andere an die Hand zu nehmen. In den aktuellen Zeiten kann ich mir kaum etwas vorstellen, was mein Herz mehr erwärmt. In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung und Individualisierung, in Zeiten wo viele Menschen Hass verbreiten, in Zeiten wo Flüchtlingsheime brennen, können wir nur enorm dankbar sein, über jeden Einzelnen, der ein bisschen seiner Zeit opfert, um anderen zu helfen.
Cicero erkannte bereits: "Keine Schuld ist dringender, als die, Dank zu sagen". Und genau deswegen möchte ich heute noch einmal sagen, dass mein Dank unschätzbar hoch ist. Sie schaffen etwas, das die Zeiten überdauern wird, denn die Nächstenliebe ist immer stärker als der Hass. Oder wie es Albert Schweitzer formulierte: "Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen."

Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und bin in freudiger Erwartung die Fachstelle gleich auf eigener Faust zu besichtigen. Wilfried Lorenz MdB
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